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Schlehdorf macht Schule: Wie ein Schülerprojekt zum Vorbild für München, Luton und Costa Rica wurde

vor 3 Stunden
5 Min. Lesezeit

Bei der ersten Munich Climate Week haben Schüler:innen der Realschule St. Immaculata in Schlehdorf am 21. Oktober 2026 ihr Solarprojekt vorgestellt. Vom Dachausmessen bis zur Spendenaktion haben sie alles selbst gemacht. Und das Projekt hat inzwischen drei weitere Schulen angestoßen.

Die Schüler:Innen der Realschule St. Immaculata bei der Präsentation des Projekts Schule unter Strom
Die Schüler:Innen der Realschule St. Immaculata bei der Präsentation des Projekts Schule unter Strom

Ein Abend im Schnitzer& Studio


Die Munich Climate Week fand 2026 zum ersten Mal statt, mit über 300 Partnerorganisationen und mehr als 300 Veranstaltungen in der ganzen Stadt. Solarbildung war mit zwei Formaten dabei: dem Workshop „Klimabildung zum Anfassen“ für Lehrkräfte in Gymnasium Max-Josef-Stift und dem Vortrag „Schule unter Strom“ am 21. Oktober im Schnitzer& Studio in der Lindwurmstraße.


Den Präsentation des Abends haben die Schüler:innen selbst bestritten: Ludwig, Beni, Kilian, Leon, Lena, Antonia, Marlene und Isa von der Erzbischöflichen Realschule St. Immaculata in Schlehdorf. Fünf Klassen der Jahrgangsstufen 8 bis 10 machen beim Projekt mit, alle freiwillig. Die Achten kümmern sich um die Technik, die Neunten um die Kosten, die Zehnten um Sponsoren, Genehmigungen und Pressearbeit. Betreut wird das Ganze von Physiklehrer Manfred Gödel und Konrektorin Sylvia Geiger.


Die Aufzeichnung der Präsentation gibt es auf unserem YouTube-Kanal: Schule unter Strom, Teil 2.



Laudato Si und der Klimawandel vor der Haustür


Der Einstieg war ungewöhnlich: ein Lied. „Laudato Si“ kennt an einer katholischen Schule jedes Kind aus dem Religionsunterricht. Die Schüler:innen haben erklärt, was dahintersteckt: der Sonnengesang des Franz von Assisi, vor 800 Jahren geschrieben, und die Enzyklika von Papst Franziskus über die Sorge für das gemeinsame Haus, erschienen 2015 kurz vor dem Pariser Klimagipfel und wissenschaftlich begleitet von Hans Joachim Schellnhuber. Damals wurde das 1,5-Grad-Ziel vereinbart. Heute, so die Schüler:innen, liegen wir deutlich darüber.


Was das konkret heißt, hat Beni erzählt. Er kommt von einem landwirtschaftlichen Betrieb und merkt die Veränderung jedes Jahr: Trockenperioden im Juni und Juli, ausgetrocknete Böden, ein schlechter dritter Grasschnitt, Rostkrankheit im Klee, sinkende Wasserstände in Bächen und Seen. Sein Fazit: Den Klimawandel muss man bremsen, und deshalb findet er das Projekt richtig.


Wie alles anfing


Angefangen hat es mit einem Solarkoffer. Schwester Josefa Thusbaß, frühere Schulleiterin und Physiklehrerin, hatte den Kontakt zu Solarbildung hergestellt, und die Missionsdominikanerinnen aus dem Kloster nebenan haben der Schule einen unserer Experimentierkoffer geschenkt. Im Wahlfach Elektronik haben die Schüler:innen damit zwei kleine Module am Schulgelände montiert und sind beim Energiehelden-Wettbewerb der Raiffeisenbank Zweiter geworden. Die Pilotanlage mit Hybridwechselrichter und zwei Batterien versorgt heute Handy-Ladekabel und eine Kamera im Vogelhäuschen.


Dann kam der Satz, mit dem alles größer wurde. Leon, damals in der 8b, meinte: Das können wir auch selber bauen. Vier Schüler der 8b, Kilian, Benedikt, Leon und Ludwig, haben die Idee angestoßen, ohne dass die Schulleitung beteiligt war. Matthias Schmuderer von Solarbildung hat zugesagt, das Projekt zu begleiten. Im Dezember 2025 war Kick-off im Nachhaltigkeitsjahr der Schule.


Die Anlage in Zahlen


Das Schulgebäude steht unter Denkmalschutz und das Turnhallendach ist für ein Schülerprojekt zu groß. Also fiel die Wahl auf die Hausmeisterhütte direkt vor der Schule: leicht zugänglich, gute Sonne. Das Dach haben die Schüler:innen während des Unterrichts selbst ausgemessen. Eine Leiter gab es nicht, dafür den Satz des Pythagoras. Ergebnis: rund 60 Quadratmeter.


Leon hat die Technik vorgestellt:


  • 14 Module mit je 455 Wp auf beiden Dachseiten, zusammen 6,3 kWp

  • Einspeisung in die benachbarte Turnhalle, über Leitungen, die schon vorhanden sind

  • Dachneigung und Sonneneinstrahlung pro Dachseite berechnet, inklusive Schatten durch einen Baum

  • Die Turnhalle verbraucht rund 10.000 kWh im Jahr, die Anlage liefert realistisch etwa 5.000 kWh, mit starken Spitzen im Sommer und wenig im Winter

  • Ersparnis: rund 3.000 kg CO₂ pro Jahr, so viel wie 17 ausgewachsene Bäume binden


Die Neunten haben gerechnet: Module, Unterkonstruktion, Wechselrichter, Zähler, Batterie und Montage kosten zusammen rund 13.500 Euro. Über Einspeisevergütung für den überschüssigen Sommerstrom und den eingesparten Strombezug rechnet sich die Anlage nach etwa neun Jahren.


Spenden, Genehmigungen, Presse


Bleibt die Frage, woher das Geld kommt. Die damaligen zehnten Klassen haben eine Spendenaktion gestartet, Firmen angeschrieben, E-Mails verschickt, telefoniert. Dazu gab es eine Lektion fürs Leben: In der angegebenen E-Mail-Adresse fehlte ein Punkt, und Frau Geiger hat rund vier Wochen telefoniert, bis etwa 2.000 Euro an Spenden wieder aufgetaucht waren. Kleine Fehler, große Wirkung.


Am Ende haben vor allem die Missionsdominikanerinnen und das Kloster Schlehdorf als Bildungspartner geholfen, dazu eine Crowdfunding-Seite und Frau Geiger selbst. Den Schulträger hat das Projekt keinen Cent gekostet. Zweimal stand die Schule Anfang 2026 in der Zeitung: in der Süddeutschen Zeitung, im Münchner Merkur, der von einem Projekt mit 150 Schüler:innen berichtete, das in dieser Form bislang einmalig sei, und im Gelben Blatt. Schüler Manuel hat das Projekt dort auf den Punkt gebracht: „Schule mal anders.“


Inzwischen liegen alle Genehmigungen und Stempel vor, auch die, auf die man eine Weile warten musste. Im März geht es los. Dann steigen die Schüler:innen selbst aufs Dach und montieren die Module, während des Unterrichts.


Vom Pilotprojekt zum Vorbild


Zum Abschluss hat Matthias Schmuderer das Wort ergriffen, und er hatte Neuigkeiten mitgebracht. Das Projekt in Schlehdorf ist nicht nur ein Novum in Deutschland, es ist zum Katalysator geworden. Das Zeitungsfoto der Schüler:innen und ein Beitrag über das Petitionsprojekt in der Zeitschrift Unterricht Physik (Heft 213/214, „Klimawandel: vom Verstehen zum Handeln“) haben Förderer überzeugt, dass die Idee funktioniert. Was Schlehdorf mühsam über Spenden zusammengetragen hat, bekommen neue Schulen jetzt als Starthilfe.


Die Erfahrungen aus Schlehdorf sind auch in unsere Unterrichtseinheit eingeflossen: Projektentwicklung einer Photovoltaikanlage, ab der 8. Klasse, 2 x 90 Minuten. Wir haben sie angepasst und ergänzt, sodass sie jetzt alle Phasen der Projektentwicklung abdeckt. Die Schüler:innen planen als Projektteam eine PV-Anlage für die eigene Schule, vom Standort über Strombedarf, Wirtschaftlichkeit und Genehmigung bis zur Petition an die Entscheidungsträger. Die Einheit funktioniert als einzelne Stunde oder als Auftakt für ein Projekt, das die Schule dann wirklich umsetzt.


Drei Schulen haben seitdem ihr eigenes Youth-led-Solar-Projekt begonnen:

  • die Europäische Schule München

  • die Lealands High School in Luton, England

  • das Colegio Humboldt, die Deutsche Schule in Costa Rica


Finanziert werden diese drei Projekte von ServiceNow, über die Plattform ChangeX. Google fördert die nächsten Runden: In Schweden ist die Ausschreibung gerade zu Ende gegangen, mit fünf Bewerbungen, darunter zwei Schulen, zwei Sportvereine und ein Jugendverein mit Schwerpunkt Natur und Landwirtschaft. Österreich folgt. Die Details zu den Förderern und den offenen Regionen stehen auf unserer Seite zu Youth-led Solar.


Sein Dank ging an die Schüler:innen, die gesagt haben: Das machen wir jetzt. Und an Martin vom Schnitzer& Studio, der den Raum zur Verfügung gestellt hat.


Youth-led Solar: so können Schulen mitmachen


Aus dem Pilotprojekt in Schlehdorf ist unser Programm Youth-led Solar entstanden. Schüler:innen entwickeln ihre eigene PV-Anlage von der Idee über die technische Planung und die Finanzierung bis zur Auswertung der Stromerzeugung im Betrieb. Lehrkräfte begleiten, entscheiden tut die Klasse. Solarbildung unterstützt mit Kick-off-Workshops für Lehrkräfte und Schüler:innen, vor Ort oder online, und mit Projekt-Coaching während der Umsetzung. In einzelnen Regionen gibt es dazu eine Förderung über ChangeX.

Wer an seiner Schule über eine eigene Anlage nachdenkt, findet alle Infos auf unserer Seite zu Youth-led Solar oder meldet sich direkt bei uns.


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